In einer Woche wieder ein Spirituelles Verständnis für die Welt, die Natur und seine Mitmenschen entwickeln. Geht das?
Ich habe es auch nicht geglaubt, aber nach dieser Woche habe ich erkannt, wie weit ich mich von Glauben und Natur entfernt habe. Wenn ich zurück denke, welch wundervolle Erlebnisse mir geschenkt wurden, als ich drei Wochen mit dem Mountainbike durch Island geradelt bin, oder andere Touren in denen ich Körper und Geist intensiv erfahren konnte.
Seit ich in Wien bin, hatte ich solche Erfahrungen nicht mehr. Großstadt stumpft ab, sagt man. Und es stimmt. Definitiv.

Doch kommen wir zu dieser knappen Woche in St. Johann in Tirol bei der ?berlebensschule Tirol wo ich anwesend sein durfte:

Direkt aus Deutschland in Kitzbühel um ca. 18:00 Uhr angekommen hat mich Sir Baschtel von Berlin am Bahnhof abgeholt. Schon da war meine Motivation nicht wirklich groß. Mein Wunsch alleine zu sein, mich zu erholen von jenen anstrengenden Arbeitswochen und Monaten die diesem Urlaub vorausgingen hat mich sicherlich beeinflusst in meiner Skepsis was das ganze anging. Auch das Wetter (strömender Regen) trug nicht gerade zu meiner Begeisterung bei.
Nun, nach ca. 15 Minuten fahrt, wo wir zuvor noch eine andere Kursteilnehmerin abholten, erreichten wir das Gelände wo der Kurs stattfinden sollte. Und schon hier war ich durch die Eindrücke die auf mich einströmten angenehm überrascht. Ein wunderschöner Moorsee von dem in langsamen, stetigen Wellen Nebel hochstieg, grüne Wiesen und Wälder. Was noch dazu kam, war eine wundervolle, reine Luft, wo einem nach jedem Schritt andere Düfte und Gerüche in die Nase stiegen. Harz, Wasser, Moor, Nebel, der angenehme Geruch von Holz das verbrannte.


Neben dem See ein kleines Lager mit ca. 15 Personen. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde, wo ich nicht so genau wusste, wo ich hin gehörte (ich war mir nicht sicher, ob ich nun Kursteilnehmer oder Helfer war) folgte ein kleiner Schock. Keine Sanitären Anlagen? Ich? Ich, der ich mich absolut unwohl fühlte, wenn er sich einen Tag nicht duschen konnte? Kein warmes, fließendes Wasser, nur eine Kuhtränke wo nicht mal immer Wasser floss. Naja, okay. Mal schaun, was da noch weiter auf mich zukam, dachte ich mir und weiter gings. Mutter begrüßt, Thomas und Samuel begrüßt. Ne kleine Runde ber das ganze Gelände und dann direkt zu den anderen Kursteilnehmern am Feuer um sich ein bisschen aufzuwärmen.
Der erste Abend war dann eigentlich sehr gemütlich. Interessante Leute von  überall her. Deutschland, der Schweiz und Südtirol. Angenehme Gespräche und ein Sau gutes Trommelkonzert. Einfach nur toll, zum Mitswingen, Klatschen und einfach zum Wohlfühlen.

Okay, wenn ich alles hier niederschreiben würde, würde ich ewig hier sitzen, daher nehm ich ein paar Highlights für mich heraus und beschreib diese hier.

Der Regen. Ein Highlight mag man sich nun denken? Ja, auf einer gewissen Ebene schon. Hier wird einem Stadtmenschen klar, dass das Wetter nicht immer so ist, wie man es sich gerne wünscht und gerade in der Natur muss man auch mit der Nässe, der Kälte und der Frustration fertig werden, die der Regen mit sich bringt. Nach drei Tagen in denen es großteils immer regnete weiß man die Sonne und die Wärme umso mehr zu schätzen, wenn sie sich dann zaghaft zwischen den Wolken zeigt. Eine Überlebenslektion der Natur die für mich zu dieser Woche gehörte.

Die Schwitzhütte. Ich war sicherlich seit 7 Jahren in keiner Schwitzhütte mehr und mir war bis dahin noch nicht bewusst, wie viel mir das eigentlich immer bedeutet hat. Die Hitze, die Verbundenheit mit der Natur in der feuchten Dunkelheit, nahe der Erde, die fast schon intime Nähe mit den anderen Teilnehmern die man nur aufgrund der Stimmen identifizieren konnte. Hier habe ich glaube ich meine Spiritualität auch neu entdeckt. Eigentlich bin ich berzeugter Atheist, bin es noch immer, jedoch habe ich hier meine Verbundenheit mit der Natur und dem Leben neu erfahren. Sei es im stillen Gebet, sei es in lauten Gesängen zum dumpfen Rhythmus der Trommel, der Duft der verglühenden Zedern und der Dampf der in Wellen  über einen zusammenkam. Der klare, erfrischende Duft der kalten Erde und der Nadeln die auf dem Boden lagen, wenn man sich auf die Erde presste. Ein wahnsinniges Gefühl. Und danach in den kalten See zu springen war einfach toll.

Das „Scout und Apache Spiel“. In diesem Spiel geht es darum, dass zwei Parteien gegeneinander antreten (wird in der Nacht gespielt). Die Scouts, die das Lager bewachen (ein rundes Areal, das von den Bewachern nicht verlassen werden durfte) in dessen Mitte ein kleines Feuer flackerte und die Apache, die versuchen mussten, sich im Schutz der Dunkelheit an das Lager heranzuschleichen. Dabei gibt es Punkte für die Bewacher, wenn sie einen der Gegner entdecken, sei es das sie ihn sehen, oder durch die Geräusche lokalisieren können. Dann wird das Spiel „eingefroren“ und der Spielleiter geht aus dem Lager, durch die Scouts geleitet und sucht an der angegeben Stelle nach dem Angreifer. Wird dieser dabei gefunden gibt es einen Punkt für die Scouts (und der gefangene muss für 5 Minuten im Lager warten, ehe er wieder raus kann) und wenn nicht, nun, dann gibt es einen Punkt für die Apaches. Das ganze dauert eine Stunde lang.
Das mag zwar nicht sehr interessant klingen, doch wenn es dann losgeht, man vielleicht 3 Meter in 15 Minuten an das Lager heranpirscht, man jede kleine Erhebung als Deckung nutzt, vorsichtig mit den Händen das kleine Astwerk vom Boden entfernt um ja keinen Laut von sich zu geben und dabei den Mond verflucht, da man glaubt, das es hier so hell ist, das die Lagerbewacher einen auf jeden Fall sehen m ssen, DANN spürt man das Adrenalin durch seinen Körper jagen. Die Sinne sind bis zum Zerreissen gespannt. Man nimmt jedes Geräusch wahr, sieht Bewegungen wo keine sind.
Das Gesicht, die Hände mit Kohle eingeschmiert um nicht vom Schein des Feuers beleuchtet zu werden, die Kleidung mit Asche beschmiert um nicht komplett Schwarz zu sein, sondern vielleicht Strukturen zu bieten, die nicht so leicht in der Dunkelheit zu erkennen sind robbte ich also durch die Dunkelheit in die Richtung des Lagers. Etwas blöd war meine Wahl der Richtung aus der ich näher kommen wollte, führte mich dieser Weg doch direkt durch einen kleinen Bach. Nach der Stunde war ich ca. 3 Meter vom Lager des „Feindes“ entfernt. Eigentlich war es unmöglich (zumindest mit meinen Schleichfähigkeiten) näher heran zu kommen, nahm ich doch an, dass ich bei der kleinsten Bewegung gesehen, bzw. gehört wurde.
Einfach toll die Sinne so zu erfahren.

Die verschiedenen Arbeiten. Es hat mir irgendwie viel Spaß gemacht im Team mitzuwirken, sei es beim Kochen oder den verschiedenen Arbeiten die so anfielen. Es ist für mich immer wieder spannend, zusammen mit anderen, z.b. zu kochen, zu organisieren und einfach mitzuwirken.

Der Kurs an sich. Ich war zwar nicht immer beim Unterricht dabei, aber jene Praktiken die gelehrt wurden, fand ich total spannend. Einen Fischspeer herstellen, Pfeilspitzen flinten, Fallen herstellen. Der Umgang mit den verschiedensten Materialien die man in der Natur findet. Es ist immer wieder faszinierend, wenn man sieht, was man in der Natur alles verwenden kann um weiter zu kommen. Toll einfach…

Das Entspannen. Einfach in der Sonne oder bei Regen in der Scheine zu liegen und lesen, Musik zu hören, die Füße ins Wasser hängen zu lassen oder einfach zu plaudern.

Und nach dieser Woche weiß ich, dass das alles für mich doch einen sehr wichtigen Stellenwert in meinem Leben einnimmt, schon immer eingenommen hat. Und ich habe vieles davon nun wieder für mich entdeckt.

An dieser Stelle noch einen lieben Gruß an alle anderen Kursteilnehmer 😉

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