Konstantin Wecker, für mich bis jetzt nur ein Name. Ein Name der sich aktiv mit seinen Liedern und Aktivitäten für den Weltfrieden einsetzt, aktuelle politische Themen offen anspricht und auch vor lauter Kritik am politischen Weltreigen nicht geizt. Bis jetzt immer nur ein Name für mich.
Die Musik von Konstantin Wecker hat mich seit nunmehr fast 5 Jahren begleitet, und auch in bestimmten Bereichen geprägt. Am Samstag, dem 17. Dezember 2005 hatte ich nun die Möglichkeit das aktuelles Konzert seiner CD „Am Flussufer“ zu besuchen. Ein unbeschreibliches Erlebnis, welches ich hier versuche wieder zu geben.

Eine gewisse Nervosität war dabei, als ich neben meiner Freundin, ca. 10 Meter entfernt von der Bühne saß, gespannt darauf wartend, das Wecker sich an den Bösendorfer setzen würde. Gespannt deswegen, weil ich hier auf 3 Jahrzehnte geballten Einsatzes für den Frieden, politisches und soziales Geschehen treffen würde, Lebenserfahrung und eine gewisse, bestimmende Weisheit in Person. Ich wusste nicht, ob ich mich dem ganzen gewachsen sah. Bis jetzt war Wecker für mich ein Mensch, der es mit seinen Worten verstand, eine Saite in mir zum klingen zu bringen, ein soziales und politisches Engagement zu wecken. Zweifel ob der Wecker der heute vor mir stehen würde noch der gleiche sein würde, der er vor 30 Jahren gewesen ist schossen mir durch den Kopf. Nicht Ungerechtfertigt will mir scheinen, sieht man es doch oft, das Menschen, die ihr Leben der Gerechtigkeit, dem Frieden und dem schönen Leben verschrieben hatten, im Laufe der Zeit ihre Kraft verloren und nur noch dem Erfolg wegen Neues produzierten.
Ich habe mich ziemlich getäuscht.

Pünktlich um 20:00 Uhr begann das Konzert, Wecker marschierte unter begeistertem Jubel zu seinem Flügel, begann ein langsames, ja, langweiliges Lied zu spielen, welches er mit müder Stimme begleitete. Irgendwann brach er ab, schnappte sich das Micro, marschierte vor die Menschen und meinte mit einem verschmitzten Grinsen: „Ja, einige werden sich nun denken, wo ist der Wecker von früher? Früher hätte er sich mit Schwung und Elan an das Klavier geworfen und laut „REVOLUTION“ gerufen…! Sollen wir das nochmals probieren“ Der amüsierte Jubel des Publikums bestätigte seine Frage und ein fantastischer Abend begann.
Die musikalische Flexibilität des Bayern lässt sich nur sehr schwer beschreiben. Die Grundebenen seiner Musik bewegen sich im Gebiet von Jazz, Blues und Klassik, die immer wieder miteinander im dynamischen Wechsel gespielt werden. Verglichen mit einigen seiner Studio Aufnahmen, die eher steril klingen mögen, offenbart Wecker bei Live Auftritten sein wahres Können.
Beschwingt, lebenslustig, melancholisch, aggressiv, komisch, still, verspielt und nachdenklich präsentierte Wecker seinem begeisterten Publikum, welches, was ich unbedingt Anmerken muss, NICHT nur aus alten Knackern und Alt Hippies, sondern Teilweise auch aus jüngeren Leuten bestand, alte, neue und aktuelle Lieder seiner neuen CD „Am Flussufer“.
Die erste Halbzeit noch alleine, wurde er in der zweiten durch den Afghanen Hakim Ludin mit Bongos und Congas, Pfeifen, Percussions und vielen anderen Instrumenten unterstützt. Eine wahnsinnige musikalische Zusammenstellung, eine Mischung aus Jazz, Blues, Klassik und native Rythmen folgte, bei der das Publikum nicht lange auf seinen Stühlen ausruhen konnte. Schon bald klatschten, swingten und tanzten die begeisterten Besucher zu den Liedern, lachten mit dem stillen, kreativen Humor von Wecker und Hakim und genossen eine insgesamt drei stündige Show, deren Erinnerung ich um nichts in der Welt missen möchte.

Danke…

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