Ed Crane (Billy Bob Thornton) ist erstens Frisör und zweitens gelangweilt. Das Leben hält keine Attraktionen f r ihn bereit. Seine Frau vergn gt sich mit deren Boss und kaum jemand merkt sich Eds Namen. Als ihm ein Kunde (Jon Polito) von einer Geschäftsidee berichtet, beschlie?t der Barbier kurzerhand einzusteigen. Das dazu notwendige Geld will er von Big Dave (James Gandolfini), dem Liebhaber und Boss seiner Frau, erpressen. Doch der solcher Art in die Enge getriebene Geschäftsmann trägt sich gerade selbst mit Expansionsplänen und kann folglich kein Geld entbehren. Die Dinge werden kompliziert…

Kritik:

Die USA Ende der 40er, der Krieg ist gerade berstanden und die Nation von ihrem Hass auf Japan geeint. The Man Who Wasn´t There erscheint in schwarz-wei?. Zeit, Ort und Ästhetik, alles erinnert an einen klassischen Film Noir. Doch es wäre kein Coen-Film, w rde er alle mit diesem Umstand assoziierten Erwartungshaltungen sofort einlösen. Der Plot muss erst ins Rollen gebracht werden, und diesbez glich pflegen die Coens eine subtile Tradition: Was in „Arizona Junior “ die Baby-Entf hrung oder in „The Big Lebowski“ ein verschmutzter Teppich, ist hier eine fragw rdige Geschäftsidee: Trockenreinigung! Eben diese will sich der eifrige Unternehmer Creighton Tolliver zur Profession machen. Nur am nötigen Startkapital mangelt es noch…
Ed Crane Billy Bob Thornton ist da anders, er redet nicht viel und beschränkt sich im Wesentlichen aufs Rauchen und Haare schneiden. Seine Frau Doris Frances McDormand redet auch nicht gerade viel – zumindest nicht mit ihrem Mann. Daf r aber umso mehr mit ihrem Boss, Big Dave, und gelegentlich endet die Unterhaltung in dessen Bett! Ed nimmt es gelassen, doch als Mr. Tolliver ihm von seinen Plänen mit der Trockenreinigung erzählt, erkennt Ed in der Affäre seiner Frau eine Möglichkeit, an das erforderliche Startkapital zu gelangen. Erst als sich Big Dave dazu entschlie?t, Ed als Erpresser zu entlarven, entwickelt sich die Geschichte zu dem, was man einen Kriminalfilm nennt.

Doch handelt es sich bei The Man Who Wasn´t There um viel mehr als blo? das: Das Coens-Erfolgsrezept beruht auf einem gekonnten Arrangement aus Bewährtem und Gewagtem. Es lässt sich auf jeder Ebene ihrer Filme erkennen. Oft wirken die Werke – auf den ersten Blick – wie reine Genre-Arbeiten, beinhalten jedoch immer einen charakteristischen Unterton, eine Detailverliebtheit, die den Unterschied zum Genre klarmacht und eine selbständige Form schafft – eben die Symbiose aus Bewährtem und Neuem. So zum Beispiel bei den SchauspielerInnen: Frances McDormand gehört mittlerweile zur bewährten Fixbesetzung. Ihr gegen ber steht Billy Bob Thornton, der damit in die Fu?stapfen George Clooneys aus „O Brother, Where Art Thou? “ tritt. Thornton wurde von den Coens ganz bewusst gewählt. Der Publikumsmagnet sollte nicht nur sein mimetisches Können einbringen, sondern des Weiteren seinen populären Name als Zugpferd f r die (bei Geldgebern und Verleih nie besonders beliebte) Idee eines Schwarz-Wei? Films einsetzen. Beides gelang!
Thornton gibt den phlegmatischen, schweigsamen Typen, der selbst nicht sicher wei?, ob er blo? introvertiert oder vielleicht doch ein wenig dämlich ist. Er ist weder Kriegsheld (Plattf ?e!) noch Detektiv und schon gar kein Spion, ja, wird nicht einmal f r einen gehalten. „Das Leben hat mir keine guten Karten gegeben. Vielleicht hab ich sie auch nur falsch gespielt. Ich wei? es nicht“, sagt er in einer Szene zur Tochter seines Nachbars (Scarlett Johansson), die eine reizende, Klavier spielende Lolita-Variation gibt. Doch leider ist das musikalische Talent, das Ed in ihr zu erkennen glaubt und so gerne fördern w rde, nicht gro? genug. Also wieder keine Veränderung, wieder kein Ausbrechen!
Am Ende gibt es f r Ed keine Hilfe mehr. Weder die Passion seines archetypischen Rechtsverdrehers Riedenschneider (Tony Shalhoub) noch die gut gemeinten Alltagsweisheiten seines Schwagers (Michael Badalucco) vermögen ihn zu sch tzen.

The Man Who Wasn´t There ist ein Film ber Leidenschaft, Resignation und Hoffnung – Hoffnung auf Veränderung. Vermittelt wird all das durch die charakteristische Coen-Idiomatik: „Ich liebe dich“, gesteht Doris ihrem Mann, während der ihr die Beine rasiert. Doch das Liebesbekenntnis ist L ge und zugleich Quelle des Ungl cks, das Ed letztendlich auf den elektrischen Stuhl bringt; dort werden dann ihm die Beine rasiert – um die Tod bringenden Kontakte anzubringen.

Der bisher wohl ernsthafteste Film der Coen-Brothers glänzt durch formale Perfektion und unterschwellige Komik. Doch gelacht wird nur, um die dahinter stehende Tragödie zu erkennen: The Man Who Wasn´t There endet wie ein Urteilsspruch. Bestraft werden dabei alle – doch keiner f r das, was er getan hat. Persönlicher Ruin und ein versagendes Rechtssystem als Antwort auf den Versuch, die Monotonie des Alltags zu besiegen – die Antithese des American-Dream!

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