Ich versuche schon lange meine Gedanken zu diesem Thema irgendwie nieder zu schreiben.

Im Grunde möchte ich kurz die Psychologie von Sex und Gewalt in unseren heutigen Medien (Film, Spielen, Nachrichten, Zeitschriften, etc.) beleuchten, da bei den diversesten Stellen immer noch sehr brav diskuttiert wird. Im Großen und Ganzen hat mich folgender Artikel auf das Thema gebracht: Gamers werden Manhunt 2 nie spielen können

Seit ca. 20 Jahren (zumindest seit dem Zeitpunkt habe ich es beobachtet) wird unsere Wahrnehmung und unser Gewaltpegel durch immer reisserische Bilder in den Nachrichten geprägt. Zum ersten mal wirklich wahrgenommen habe ich das beim ersten Golfkrieg 1991, einem reinen medialen Krieg, beeinträchtigt durch diverseste Propagandamethoden die es verstanden haben sehr subtil unsere Wertvorstellung und unser Ethikgefühl zu manipulieren.
In den Medien wurde ein sauberer Krieg inszeniert. 14 Soldaten (ich schreib einfach mal eine Zahl) der USA wurden getötet. Eine saubere Statistik, die Bilder zeigten Raketen, die punktgenau ihr Ziel fanden, Panzer, die via Infrarot gezielt Feindesnester auslöschten. 14 tote Amerikaner sind nur zu beklagen gewesen.

Und hier ist es zum ersten mal wirklich zu erkennen gewesen. Die Bilder, die wir sauber portioniert vorgesetzt bekommen, vermitteln uns dieses Bild, vermittelt uns diese Wahrnehmung der Dinge. Kein Bericht sprach von den Kindern, den Frauen, den toten Soldaten des Iraks, keine Bilder von zerfetzten und aufgeblähten Kinderbäuchen konnten den kollektiven Mediensiegestaumel zerstören, die saubere Welt des Informationskrieges irgendwie mit Schmutz beflecken.

Seit diesem Zeitpunkt ist es für mich klar gewesen. Unsere Wahnehmung ist eingeschränkt worden. Wir sind nicht mehr in der Lage Probleme objektiv aus verschiedenen Bereichen zu beleuchten und zu diskuttieren. Uns werden sauber vorbereitete und proportionierte Informationshäppchen vorgeworfen, die wir zum Abendessen verspeisen, ehe wir uns dem Hauptabendprogramm zuwenden. Die Bilder hinter den Bildern sehen wir nur sehr selten, die andere Seite des Spiegels ist ermattet, das Bild, die Informationen sind unscharf geworden. Wie viele Iraker wurden beim ersten Irak Krieg getötet? Wie viele Zivilisten Opfer solcher sogenannten Intelligenter Raketen? Wie groß ist die Umweltkatastrophe durch die brennenden Ölfelder wirklich?

Sicher, immer wieder kann man einen Blick auf die Rückseite des Spiegels werden, auf das Bild hinter dem Bild, doch sind wir auch hier schon geprägt. Schreckensmeldung um Schreckensmeldung häufen sich in den Zeitungen, grausliche Bilder von Verkehrsopfern huschen für einen Augenblick über den Bildschirm, regen unsere Phantasie an, wärend wir die Blutwurst in unseren Mund stopfen.

Worauf ich hinaus will? Nun. Ich denke, unsere Gesellschaft ist dermaßen von Medieneindrücken geprägt, das zu verschiedenen Themen kaum konstruktive Gedanken formuliert werden können. Die Gesellschaft gibt sich oft einer Scheinmoral hin, die schlimmer nicht sein könnte.

Sex wird verteufelt, Gewalt in den Medien zweispurig zerissen.

Sex, in meinen Augen eine relativ natürliche Sache *feix*, bzw. die Beschreibung Sexueller Handlungen in Literatur oft noch ein sehr unterdrückt wärend Gewalt in Literatur kein Problem darstellt. Hier frage ich mich: Warum ist das so? Warum wird der Akt der Liebe als etwas verwerfliches dargestellt? Warum ist die bildliche Beschreibung des Aktes oft der Grund für den Rotstift (zumindest bei einem klassischen Unterhaltungsroman), ehe das Buch in die Druckpresse gehen kann? Bei Gewalt ist dies kein Problem. Hier wird offen und frei und sehr bildreich beschrieben, wie der Böse dem Guten langsam die Haut vom Fleisch schneidet, Gewalt und die Phsychologie dahinter sehr eindringlich beschrieben.

Der andere Punkt: Gewalt. FSK Freigaben an sich finde ich eine gute Sache. Als Orientierungsmaßstab für die Schwere des Filmes um ihn mit einem Kind ansehen zu können. Jedoch finde ich, das Filme, die als „ab18“ gekennzeichnet sind, frei mit ab18 Themen umgehen können sollten. Oft, nein, fast immer ist dies nicht der Fall.

Sex und Gewalt werden proportioniert. Auf ein Massentaugliches Niveau gestutzt (klar, der Film will verkauft werden), jedoch gibt es einige Filme die mit Gewalt relativ deutlich umgehen und das „ab18“ Siegel offensichtlich Stolz zur Schau tragen. Als Beispiel: Saw oder The Hills Have Eyes. Harte Szenen, rohe Darstellung von Gewalt, Innereien und Blut.

Und doch wird immer mit zweierlei Maßen gemessen. Gibt es zu viel Gewalt? Gibt es zu viel Sex? Was passiert dann mit dem Film? Dem Buch? Es wird Kult… Hehe… ne, Scherz beiseite. Meistens ist der Roman nicht mehr im Handel erhältlich, der Film wird zurück gehalten, oder was auch immer.

Und genau das ist auch bei Spielen in meinen Augen der Fall. Ein Spiel „ab18“ sollte nicht zensiert werden müssen. Warum auch? Eine Person die 18 Jahre alt ist, ist selbst dafür verantwortlich, was sie tut, was sie liest, was sie spielt und was sie sieht. Sehe ich zumindest so. Wenn sich nun einer ein Spiel antun will, in dem er Menschen Extremitäten abhackt, dann ist das seine Sache. Die Argumentation dahinter, das solche Spiele uns zu Killern macht finde ich Humbug. Viel mehr bin ich der Meinung, das oben geschilderte Situation der manipulativen Medien unsere Wertvorstellung für Gewalt verändert. Nicht das Spiel bringt einen dazu etwas zu machen. Es ist immer die Person und das Umfeld selbst, welches dazu beiträgt, das jemand ausflippt und ne dumme Sache macht.

Aber Spiele zu verbieten, Filme zu zensieren und Bücher nicht zu drucken, weil sie mit Sex und Gewalt experimentieren finde ich schade und verwerflich. Gerade durch die Tatsache, das unsere Sensibilität diesen beiden Themen gegen ber durch das Medium Fernsehen (Sex ist mittlerweile ein integraler Bestandteil von Werbung, Gewalt von Nachrichten) schon seit langem manipuliert wird, finde ich diese Diskussionen rund um Sex und Gewalt in modernen Medien mehr als Scheinheilig und nicht gerade zielf hrend. Es gibt immer ein großes Ganzes, das es zu beleuchten gilt. Und nicht nur jenes Genre getrennt von der ganzen Thematik zerreissen.

Hmmmm… Ich hoffe mal, diese hier, etwas wirr niedergeschriebenen Gedanken sind klar und verständlich und weißen darauf hin, was ich sagen möchte ;).

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