Tag Archive: Brenner


„Du, Brenner, als Kriminalbeamter, wie viele Fälle hat ma‘ da so pro Jahr?“
„In an guten Jahr?“
„Ja.“
„In an guten Jahr hat man an andern Beruf.“

„Wie würdest Du vorgehen?“ fragt nach dem ersten Mordfall der kleine Berti, ein Rettungssanitäter, seinen Kollegen Brenner, der früher mal bei der Polizei war. „Vorgehen is scho falsch.“ Der Simon Brenner ist der vielleicht umständlichste Detektiv der Kriminalliteratur. Bisher war er das in den Romanen von Wolf Haas, denen ebenfalls ein grandioser Hang zur Umständlichkeit nicht abzusprechen ist. Nun ermittelt Brenner erstmals im Kino, und zwar in dem österreichischen Spielfilm KOMM, SÜSSER TOD. Und wieder erweisen sich unsere Nusser auf den Gebieten Humor, Krimi, und Gemütlichkeit als die Anmutigeren. War schon der Tatort vom ORF stets weniger krampfig als alle Schimanskis und Pal’s, war schon die Irrsinnsserie „Kottan ermittelt“ auf dem Sendeplatz von Derrick für die Deutschen viel zu avantgardistisch, so  überholt nun KOMM, SÜSSER TOD quasi im ersten Gang den neuen deutschen Film mit seinem Professionalitätsgehubere. Auch dort wird ja viel zu lange  über die Vorgehensweise getüftelt.

Und Österreich hat womöglich auch die sattelfesteren Stars, in diesem Fall den vieleicht letzten erträglichen Kabarettisten Joseph Hader, den Helden von INDIEN. Hader gibt einen fulminant grantigen Detektiv ab, dem das Nachdenken mehr Anstrengung abverlangt als das verprügelt werden oder die Konfrontation mit widerlichsten Sachverhalten. „Is des net fürchterlich?“ fragt die Sekretärin, „Jojo.“ sagt der Brenner und wechselt das Thema. Daneben blüht Nina Proll als larmoyante Firmenschnalle, und Simon Schwarz hampelt den tolpatschigen Zuarbeiter Berti, während die zwei deutschen Darsteller von Österreichs verkorkstem Verhältnis zum Touristenspenderland zeugen. Bernd-Michael Lade spielt den Schurken „Piefke“, angeberisch, schnöselig, arrogant, wie es eben der Piefke Art. Und Barbara Rudnik ist die Schöne, die der Brenner doch nicht kriegt, die man aber auch etwas weniger schillernd hätte besetzen können.
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Silentium

Salzburg hat touristisch ja soviel zu bieten. Also, nicht nur Nockerl, Mozarthaus und „Jedermann“. Auch der Mönchsberg ist immer eine Reise wert, wenn man sich bei schöner Aussicht in den Tod stürzen möchte. Allen „Sound of Music“-Touren, allem Trachtenjanker-Chic zum Trotz ist Salzburg eine beklemmende Stadt, in der nicht nur Georg Trakl depressiv wurde. SILENTIUM fängt perfekt ihre Düsternis und Enge ein, diesen leicht bräunlichen Sud aus Salzach-Dunst, Schnürlregen und Stiegl-Bier. Und das sind noch die angenehmeren Flüssigkeiten in diesem Film – wenn erst das Blut anfängt zu tropfen, fließen, und der Natursekt, na dann servus!

Wobei Golden Shower noch immer besser ist als eine Dusche als Todeskammer. Es ist nämlich so, dass der Brenner (Josef Hader) sich mal wieder Feinde macht und derart vom Nieselregen in die brüheiße Traufe gerät, dass KOMM, SÜSSER TOD wie ein Kuraufenthalt wirkt dagegen. Weil der Ex-Bulle einer schönen Witwe nicht widerstehen kann, die glaubt, dass ihr Mann nicht einfach von selbst vom Mönchsberg in die Altstadt geplatscht ist.
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